Die WDR-Journalistin mit der großen Sauerland-Liebe
Shownotes
Shownotes:
https://www.berghotel-hoher-knochen.de
Buch-Empfehlung von Andrea Klasen - Die Stille und das Pferd - Pilgerreise zum Rande der Welt
Als Andrea und ihre Stute Lady aufbrechen, um eine Woche lang durch die Eifel zu wandern, erfüllt sich ein großer Traum für die beiden. Sie wollen „auf Abenteuer gehen“, die menschenleere Weite der Eifel durchmessen und jeden Abend woanders Herberge nehmen. Während Andrea anfänglich mit Karte, Kompass und kruden Kreuzungen zu kämpfen hat, spürt sie irgendwann, dass es der innere Faden ist, dem sie eigentlich folgen. Lady übernimmt die Führung und die beiden gelangen an einen Ort, an dem die Stille wohnt.
Über Tredition wurde 2017 ihr Buch veröffentlicht: https://shop.tredition.com/booktitle/Die_Stille_und_das_Pferd/W-1_88411
Andrea Klasens Homepage, auf der auch vieles über ihr Buch samt Fotos und Leseprobe zu finden ist: https://www.wortmanufaktur.info/ https://www.wortmanufaktur.info/meinewortmanufaktur
Über ihre Homepage gelangt man auch zu ihrem persönlichen Blog „Rosinen und Perlen“: https://rosinenundperlen.wordpress.com/
Moderation:
Thorsten Hup (Journalist)
Schnitt und Bearbeitung:
Tonstudio Moritz Maier
Aufgenommen mit Track E´s von Tentacle Sync
Sprecher Intro & Outro: Sven Weikam https://weikam-medien.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Und das ist der Hochknochen, er liegt über der Welt.
00:00:03: Man ist ja auch manchmal über den Wolken und heute über dem Nebel.
00:00:07: Also, hier ist nichts.
00:00:08: Und das ist das Geniale hier an diesem Ort.
00:00:10: Und deswegen fühle ich mich hier so wohl.
00:00:12: (Düstere Musik)
00:00:13: Ich wollte nie in die Politik, weil da so viel gelogen wird
00:00:20: und so viele Wortfühl sind durch die Luft fliegen.
00:00:23: Ich wollte ja Russland-Korrespondentin werden.
00:00:26: (Düstere Musik)
00:00:27: (Düstere Musik)
00:00:28: Ich find's schade, dass Putin den Russen die Zukunft genommen hat.
00:00:35: (Düstere Musik)
00:00:36: Walk and Talk.
00:00:38: Begegnungen am Berghotel "Hoher Knochen".
00:00:41: (Düstere Musik)
00:00:42: Schönen guten Tag, liebe Frau Klaassen.
00:00:46: Erst mal herzlich willkommen auf dem Hochknochen.
00:00:49: Vielen Dank, Herr Hub.
00:00:50: Ich würde Sie jetzt erst mal fragen wollen,
00:00:52: haben Sie Lust auf einen gemeinsamen Spaziergang?
00:00:55: Aber heute müssen wir ein bisschen improvisieren.
00:00:57: Ich hab gemerkt, das Wetter spielt nicht so mit,
00:00:59: wie wir uns das vorgestellt haben, v.a. für die Mikrofone.
00:01:02: Ansonsten werden wir trotzdem losgelaufen.
00:01:05: Deswegen hab ich Lust auf einen gemeinsamen Sit and Talk.
00:01:08: Sit and Talk bin ich immer für zu haben.
00:01:10: Wir sitzen nämlich in Wolke Sieben.
00:01:12: Und jeder, der es nicht kennt, dem müssen wir mal erklären.
00:01:15: Ich würde mal sagen, es ist das Krafthaus vom Hotel.
00:01:18: Wenn man hier sitzt, wirklich mitten in der Natur,
00:01:21: roten, tiefe Fenster, um uns herum nur Bäume, grandios hier, oder?
00:01:25: Man hat diesen berühmten hohen Knochenblick,
00:01:28: dass man da diese Kegelartigen Berge sieht.
00:01:31: Heute haben wir das große Glück, dass der Nebel hier hochzieht.
00:01:35: Das hat was sehr mystisches und geheimnisvolles.
00:01:38: Das ist der Südwestlage.
00:01:40: Man guckt in 2 Tagebirge.
00:01:42: Dann kommt hier der magische Sonnenuntergang.
00:01:45: Mehr braucht man nicht.
00:01:46: Nee, das ist das Fernsehen.
00:01:48: Wenn man sonst Fernsehen schaut, kann man das hier sein lassen
00:01:52: und in die Weite schauen.
00:01:54: Dann würde ich sagen, tocken wir munter und sehr gut gelauntlos.
00:01:58: Bevor wir zu Ihren unglaublich spannenden beruflichen Erlebnissen
00:02:02: kommen, würde ich gerne über das Sauerland mit Ihnen sprechen.
00:02:06: Als Gast, als Hotelgast, kommen Sie ja bereits seit vielen Jahren
00:02:09: hier zum Berghotel Hoher Knochen.
00:02:11: Ich würde gerne wissen, wie würden Sie diesen Ort hier oben
00:02:15: mit Ihren Worten beschreiben?
00:02:18: Ich fahre über Winterberg.
00:02:20: Dann fahre ich über Uhlenbach.
00:02:22: Da stehen noch ganz viele Fichten, so wie früher hier vor dem Borkenkäfer.
00:02:27: Das stimmt mich immer so ein auf früher.
00:02:30: Man fährt dann in Westfeld von dieser Straße ab.
00:02:33: Das kommt mir als Steinbock.
00:02:36: Ich bin im Zeichen des Steinbocks geboren.
00:02:39: Kommt mir das sehr gelegen, weil ich mag es sehr,
00:02:42: weit ab von der Welt zu sein.
00:02:44: Das ist vielleicht ein Widerspruch, weil ich auch Journalistin bin.
00:02:48: Ich liebe es, mich in hohe Lagen zurückzuziehen,
00:02:52: wie ein Steinbock, der ins Geröllfeld geht,
00:02:54: weil da kann niemand mehr folgen.
00:02:56: Das ist der Hoher Knochen, er liegt über der Welt.
00:02:59: Man ist ja auch manchmal über den Wolken und heute über dem Nebel.
00:03:03: Hier ist nichts. Das ist das Geniale hier an diesem Ort.
00:03:06: Deswegen fühle ich mich hier sowohl.
00:03:09: Ich bin nicht gerne im Pulk und vor allem im Lärm nicht.
00:03:12: Es gibt hier einige auch schöne Hotels im Sauerland, definitiv.
00:03:16: Was ich hier ganz besonders finde, ist, man fährt mit dem Auto hoch.
00:03:20: Die letzten knapp zwei Kilometer fährt man den Berg hoch.
00:03:24: Kaum Häuser drum oben, am Ende gar keine mehr.
00:03:26: Dann hört die Straße auf und es gibt nur noch Berge und Spazierwege.
00:03:30: Allein durch diese Lage
00:03:32: kommt man schon in eine andere Gedankenwelt,
00:03:35: in einen anderen Zustand, würde ich sagen.
00:03:37: Wie oft waren Sie denn schon als Besucherin hier im Hotel?
00:03:41: Das kann ich nicht zählen.
00:03:43: Als Jugendliche bin ich hier schon mit meinen Eltern gewesen.
00:03:47: Wir sind hier auch Weihnachten zum Essen gegangen, die Gaststube.
00:03:51: Das fand ich immer sehr schön, weil da der Kamin brannte.
00:03:54: Glodern des Kaminfeuers ist immer toll.
00:03:56: Das ist sehr archaisch und ich mag archaische Dinge.
00:03:59: Dann sind wir ...
00:04:01: Jetzt, in diesen Zeiten, treffe ich mich hier ganz oft
00:04:04: mit meiner Mutter und meinem Patenkind.
00:04:06: Und mein Freund ist dann auch dabei.
00:04:08: Wir kommen dann aus unterschiedlichen Richtungen
00:04:11: und verbringen hier einen Tag.
00:04:13: Sie kennen das Hotel eh nicht auswendig.
00:04:15: Mich wird mal interessieren, gibt es so ein, zwei Lieblingsplätze?
00:04:19: Die Wolke sieben, wo wir gerade sitzen.
00:04:22: Das ist für mich wirklich, wie man sagt immer so,
00:04:25: abgedroschen so ein Kraftort.
00:04:27: Wie gesagt, ich mag es in der Natur zu sein.
00:04:30: Die beruhigt mich immer.
00:04:33: Und wo ich auch gerne bin am Hohen Knochen,
00:04:35: das ist in einem großen Wohnzimmer.
00:04:38: Weil das, finde ich, das gibt es ja kaum noch in Hotels,
00:04:41: in modernen Hotels.
00:04:44: Und ich bin auch im Winter, hab ich ja auch schon übernachtet.
00:04:47: Und dann kommen wirklich nach dem Essen,
00:04:50: gehen nicht alle in die Chalets oder auf die Zimmer,
00:04:54: sondern man kommt da zusammen.
00:04:56: Und dann gibt es da Gesellschaftsspiele, eine kleine Bibliothek.
00:04:59: Man sitzt in diesem wunderschönen Chesterfield, möbeln.
00:05:03: In Klavier? - In Klavier.
00:05:05: Oh, da muss ich Ihnen was erzählen.
00:05:07: Ich habe das einmal mit meinem Patenkind Fred, sieben Jahre,
00:05:10: dort, wir haben Mensch ärgere dich nicht gespielt.
00:05:13: Und dann kam ein kleiner Junge in den Raum,
00:05:16: klappte das Klavier auf und wir dachten alle,
00:05:19: oh, jetzt ist vorbei mit der Gemütlichkeit,
00:05:21: jetzt wird es irgendwie nervig.
00:05:23: Das war ein Virtuose, das war ein kleiner Mozart.
00:05:26: Der hat gesagt, wuh, die hat gespielt, Wahnsinn.
00:05:29: Und dann sagt mein Patenkind, das kann ich auch.
00:05:32: Da hab ich gesagt, Fred, du solltest es gar nicht als versuchen.
00:05:36: (Lockere Musik)
00:05:38: Ich nenne ihn immer selber Salon,
00:05:41: ich weiß gar nicht, ob das die richtige Bezeichnung ist.
00:05:44: Aber er verdient diesen Namen.
00:05:46: Es ist eine sehr heimliche traditionelle Atmosphäre.
00:05:49: Ich finde diesen Blick in die Natur, man ist ja auch da mitten in der Natur.
00:05:53: Das ist einfach eigentlich ohne Worte.
00:05:55: Ja, das ist ohne Worte.
00:05:57: Was ich auch so mag, da sind ja unterschiedliche Sitzgruppen.
00:06:01: Und das Fremde Menschen, wo ja eigentlich alle so ...
00:06:05: immer in so Blasen sind, hab ich den Eindruck heutzutage.
00:06:09: Egal, ob das das Auto ist,
00:06:10: aber alle sind so individualistisch und auch egoistisch unterwegs.
00:06:14: Und da kommt man ...
00:06:17: kommt man abends, kommen fremde Menschen zusammen.
00:06:20: Und man ist dicht beisammen.
00:06:22: Es ist immer eine schöne Stimmung.
00:06:24: Ja, da ist dieses ...
00:06:26: Antiquierte, was der ein oder andere vielleicht so sehen würde,
00:06:30: ist an der Stelle genau das Besondere,
00:06:32: um in diese ... eine einzigartige Stimmung zu kommen.
00:06:35: Ja, ich glaub nicht, dass man das in einem Hotel
00:06:38: einer amerikanischen Kette hat.
00:06:40: Das glaub ich nicht.
00:06:41: Ich hab das selten erlebt, dass Menschen,
00:06:44: fremde Menschen zusammensitzen, wie in einem Wohnzimmer.
00:06:47: Sie wohnen ja jetzt selber nicht mehr im Sauerland,
00:06:50: aber sie sind eine echte Sauerländerin. - Nein, Wittgensteinerin.
00:06:53: Das ist nicht so weit entfernt von hier.
00:06:55: Nee, das liegt auf der anderen Seite des Rotarkamms.
00:06:58: Das ist ja die Religions, die Wasser und die Wetterscheide.
00:07:03: Den Weg kann ich auch sehr empfehlen,
00:07:05: wenn man zum Beispiel mal zum Visent-Gehäge möchte.
00:07:08: Das ist irre.
00:07:09: Und dann fährt man auch durch den Wald, wo eigentlich nichts ist.
00:07:13: Das sind meine Lieblingsorte, wo keine Menschen mehr sind.
00:07:16: Da sieht man manchmal, wenn man Glück hat, Moflons.
00:07:19: Oder Visente.
00:07:20: Wenn Sie jetzt hier oben auf dem hohen Knochen sind,
00:07:23: werden Sie automatisch, obwohl es ja auch viel Abwechslung
00:07:26: oder Ablenkung im positiven Sinn im Hotel gibt,
00:07:28: werden Sie immer wieder motiviert, auch spazieren zu gehen?
00:07:32: Ich bin eine große Spaziergängerin.
00:07:34: Aber hier am hohen Knochen sitze ich eigentlich nur rum.
00:07:39: Und gucke mir die Landschaft an, zum Beispiel hier in Wolke 7,
00:07:45: wenn ich darf hier immer Yoga machen.
00:07:47: Herr Kevekordes gibt mir den Schlüssel.
00:07:49: Und dann mache ich hier Yoga.
00:07:51: Und dann sitze ich aber da und starre 30 Minuten nur nach draußen
00:07:55: und erfreue mich an der Natur.
00:07:57: Oder ich sitze im Sommer auf der Terrasse.
00:07:59: Da kann man den ganzen Tag verbringen.
00:08:01: Dann ist man wieder was.
00:08:03: Ich sitze da einfach, ich sitze hier nur rum.
00:08:07: Jetzt kommen wir auf Ihre Mutter zu sprechen.
00:08:11: Wenn alle denken, wieso spricht er die denn an?
00:08:13: Aber Ihre Mutter, die Barbara-Klasen,
00:08:15: die führt in der Oststraße, in Schmalenberg,
00:08:17: noch heute ein sehr bekanntes Geschäft für Damenoberbekleidung,
00:08:21: nennt sich die Modetour.
00:08:23: Jetzt würde mich interessieren, wie lange hat die Frau Mama
00:08:26: diese Modetour schon in Ihrer Hand?
00:08:29: In den 90ern hat sie die übernommen.
00:08:31: Sie war vorher angestellt.
00:08:33: Da war sie so um die 50.
00:08:35: Da hat sie gesagt, ich wage jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit.
00:08:39: Und dann hat sie da alle Hebel in Bewegung gesetzt.
00:08:42: Und hat ihren Mut zusammengenommen und ihr Fach wiss.
00:08:45: Sie ist eine sehr, sehr gute Geschäftsfrau.
00:08:48: Und hat dann diese Modetour, ja, sie hat tolle Sachen.
00:08:55: Das ist auch von ihr oder meine Jacke.
00:08:57: Eigner und Bokner habe ich gestern gelesen.
00:08:59: Ja, Bokner weiß ich jetzt gar nicht.
00:09:01: Steht das noch drin im Magazin?
00:09:03: Ich glaube, ich habe es irgendwo gelesen.
00:09:06: Eigner Taschen, ja.
00:09:08: Das sind so hochwertige Lederwaren vor allem auch.
00:09:11: Ja, die haben dieses Pferdegebiss als Omblem oft.
00:09:15: Das ist schön Gebissringe.
00:09:17: Sprich mich natürlich sehr an.
00:09:19: Sie hat tolle Marken, Fanlag, solche ein paar aufzählen.
00:09:23: Sie hatte immer Barboa, aber die sind wohl sehr unfreundlich.
00:09:27: Kenne ich aber auch. Tolle Marken.
00:09:30: Alexander hat sie, glaube ich noch.
00:09:32: Dann hat sie FFC, das ist eine ganz tolle Marke.
00:09:37: Riani, irgendwas Katharina von Braun, glaube ich.
00:09:41: Da kann ich schon nicht mehr mitreden.
00:09:44: Nee, das ist auch alles sehr hochwertig, sehr, sehr geschmackvoll.
00:09:48: Und dann trifft sich da quasi ein Teil der Saula in der Damenwelt.
00:09:52: Wahrscheinlich auch ein großer Teil von Stammkunden.
00:09:55: Meine Mutter hat über 400 Stammkunden.
00:09:58: Die hegt und pflegt sie, wie andere ihre Blumen pflegen.
00:10:02: Die kriegen zweimal im Jahr ein Magazin zugeschickt,
00:10:07: das mein Schwager fotografiert.
00:10:09: Meine Schwester macht das Layout.
00:10:11: Meine Mutter schreibt das Editorial.
00:10:14: Das kriegen die Stammgäste nach Hause geschickt.
00:10:18: Und sie geht auch in Hotels, wenn eine Stammkundin Urlaub macht.
00:10:25: Fährt sie dahin, nimmt entsprechendes mit.
00:10:28: Dann wird eine Anprobe im Hotelzimmer gemacht.
00:10:31: So was macht sie auch.
00:10:34: Finde ich richtig gut und fähig vor allem toll,
00:10:37: dass man noch ganz klassisch und mit Ambiente,
00:10:40: mit Selbstanfassen einkaufen kann,
00:10:42: statt dem Internet zu shoppen.
00:10:44: Ja, das macht meine Mutter auch nicht.
00:10:46: Das könnte sie auch machen.
00:10:48: Sie ist da sehr klassisch.
00:10:50: Sie hat mit 14 ihre Lehre gemacht in hochwertigen Geschäften.
00:10:55: Da hat sie alles gelernt.
00:10:57: Das spricht sie auch heute noch von.
00:10:59: Das war ja nach dem Krieg, also nicht weit entfernt vom Zweiten Weltkrieg.
00:11:03: Sie ist in Hagen aufgewachsen.
00:11:05: Und die industriellen Gartennen durch die Stahlindustrie,
00:11:09: die hatten Geld und wollten gut aussehen.
00:11:11: Aber es gab noch nicht so viel.
00:11:13: Und dann hat sie von einer Dame gelernt,
00:11:15: wie man ein Pelzmantel so drappiert, dass er aussieht wie fünf.
00:11:20: Meine Mutter ist natürlich eine ehrliche Geschäftsfrau.
00:11:23: Sie hat wirklich eine verdammt gute Lehre gemacht.
00:11:27: Und liebt ihren Beruf.
00:11:29: Und sagt, seit sie 65 ist,
00:11:31: wir wollen ja nicht verraten, wie alt sie ist,
00:11:34: sagt sie immer an ihrem Geburtstag, ich mach die Modetour noch nicht zu.
00:11:38: Man sollte hinfahren und dort einkaufen.
00:11:41: Und dieses tolle Geschäft erleben.
00:11:44: Jetzt kommen wir zu ihrem Beruf.
00:11:49: Sie haben viele Facetten, mit denen sie diesen Beruf ausfüllen.
00:11:53: Im Sauerland haben sie auch ihren Beruf erlernt.
00:11:56: Sie sind Journalistin.
00:11:58: Sie waren beim WDR, haben bei der Lokalzeit Südwestfalen,
00:12:02: inklusive der Sendegebiete Hoch-Sauerlandkreis,
00:12:05: Meckerscheckkreis, Olpo und Wittgenstein gelernt.
00:12:08: Und Soost.
00:12:11: Und haben dort ganz klassisch die Frage,
00:12:13: die Ausbildung zum Journalisten, nämlich einen Volontariat gemacht.
00:12:17: Das hat länger gedauert mit dem Volontariat.
00:12:20: Ich wusste lange nicht, was ich werden will.
00:12:23: Ich hab Germanistik studiert,
00:12:25: spanische und hispanoamerikanische Literaturwissenschaft.
00:12:29: Damit kann man alles oder nichts machen, wie wir wissen.
00:12:33: Und irgendwann wusste ich, ich möchte schreiben,
00:12:36: am liebsten wäre ich Bestsellerautorin
00:12:39: von sehr hochwertiger Literatur im nächsten Leben.
00:12:42: Ich habe als Regieassistentin
00:12:44: als Inhaltlich für diesen Sender arbeiten.
00:12:47: Bei RTL gearbeitet, elf Monate in Köln während des Studiums,
00:12:51: war ich in der Regie.
00:12:53: Da habe ich mitbekommen, wie Journalisten, was sie machen müssen,
00:12:57: wie die arbeiten und das Fernsehen usw.
00:12:59: Dann habe ich zu meiner Nachbarin, die war beim Radio, beim WDR,
00:13:04: bei den Zeitzeichen,
00:13:06: zu ihr gegangen und gesagt habe, Frau Wiegant,
00:13:09: wie werde ich Journalistin?
00:13:11: Ich war ganz klassisch bei der Zeitung anfangen.
00:13:14: Dann habe ich diesen wirklich lukrativen, finanziell lukrativen Job
00:13:18: bei RTL gekündigt und bin zur Zeitung.
00:13:21: Ich bin jedes Wochenende mit meiner Katze, damals,
00:13:24: das war so eine Reisekatze, zu meinen Eltern gefahren.
00:13:28: Um dann über das Wochenende, ich habe die Termine bekommen,
00:13:31: ganz klassisch, Taubenverein, Geflügel, Schauch.
00:13:34: Was haben wir noch? Ich war einmal auf dem Schützenfest.
00:13:37: Das war das erste und einzige Mal.
00:13:39: Ich bin dann zu dem Pressevertreter da gegangen und habe gesagt,
00:13:43: ich soll hier berichten, was machen Sie hier eigentlich?
00:13:46: Weil ich fand das alles sehr suspekt.
00:13:48: Eigentlich hatte mir die Zeitung einen Voluntariat angeboten.
00:13:52: Voluntariat unter Journalisten ist es der Hauptgewinn,
00:13:56: weil dann kann man Redakteuren werden fest angestellt.
00:13:59: Dann hieß es pro Forma,
00:14:01: sollte ich mit dem Herausgeber der Zeitung noch mal sprechen.
00:14:04: Mit dem Chefredakteur, der wollte mich gerne haben,
00:14:07: und ich habe alles geklärt.
00:14:09: Gehen Sie bitte noch mal in die obere Etage,
00:14:11: sprechen Sie mit dem Chef und dann können wir alles hier unterschreiben.
00:14:15: Dann habe ich das, bin ich hochgegangen,
00:14:18: und dann sagte der aber zu mir, wir schreiben Ausländer
00:14:21: und Homosexuelle kaputt.
00:14:23: Und dann habe ich gedacht, die Hälfte für meinen Freunden
00:14:26: ist entweder das ein oder das andere.
00:14:28: Und dann habe ich gesagt, mein guter Herr,
00:14:30: aber dann bin ich hier falsch.
00:14:32: Und die Tür schlug mit voller Wuch zu.
00:14:36: Und wir wissen, es geht dann eine andere auf.
00:14:38: Ich hatte schon einen Fuß im WDR Siegen
00:14:40: durch meine Nachbarin, die die Studioleiterin kannte.
00:14:43: Da habe ich den Redakteur samstags unterstützt,
00:14:46: die Nachrichten in den Videotext,
00:14:48: falls noch jemand weiß, was das ist,
00:14:50: und ins Internet zu stellen.
00:14:52: Ich glaube, das gab es da schon.
00:14:54: Und dann sollte ich an dem Tag nach diesem Gespräch
00:14:57: mit diesem Herausgeber,
00:15:00: sollte ich noch zum WDR und in das Out-Tag-Studio.
00:15:03: Jedenfalls der Techniker, der mich dann einweisen sollte
00:15:06: in dieses Studio, sagte, wir kannten uns ja nicht,
00:15:09: wie siehst du denn aus?
00:15:11: Ich war natürlich völlig derangiert.
00:15:13: Ich hatte ja gerade einen Voluntariat,
00:15:15: ich habe meine Zukunft war weg.
00:15:17: Es war alles schwarz um mich rum.
00:15:20: Und dann habe ich gesagt, ja so und so,
00:15:22: ach, das macht doch nichts.
00:15:24: Wir gehen hoch zu Ingo Hülzmann, das ist der Fernsehchef,
00:15:27: der sucht immer Leute.
00:15:30: So dachte ich so, Moment,
00:15:32: man muss doch erst immer Zeitung, Hörfung, Fernsehen.
00:15:35: Das ist doch die Krone der Schöpfung.
00:15:37: Ja, und dann bin ich zu ihm hin,
00:15:39: und der grinst da auch immer so.
00:15:41: Er hat gesagt, na ja, also sie können hier ins Helfe specken.
00:15:45: Die guten schwimmen oben.
00:15:47: Ich fand wirklich sehr lustig und amüsant.
00:15:49: Die erste Geschichte beim Fernseh hatten sie
00:15:51: als ein Pony in einen Pool viel.
00:15:53: Wir hatten einen freien Kameramann,
00:15:55: der hätte auch seine Großmutter verkauft, für eine gute Story.
00:15:58: Und dann hat er diese kleinen Kassetten abgegeben
00:16:01: und hat gesagt, ich habe so ein Pony in Pool gefallen.
00:16:04: Wer kann das denn machen?
00:16:06: Ja, gib mal her.
00:16:08: Ja, Andrea will so ein Pony in Pool.
00:16:10: Okay, dann haben wir gesagt, ja, das mache ich, klar.
00:16:13: Und dann habe ich mir das Material mit einem altgedienten Cutter,
00:16:16: wir haben analog noch geschnitten,
00:16:18: haben uns das Material angesehen und haben dann den Film dazu gemacht.
00:16:22: Texten konnte ich natürlich überhaupt nicht fürs Fernsehen.
00:16:25: Und der Herr Hülzmann, der Fernsehchef damals,
00:16:28: ist mit mir den Text, das ist glaube ich drei Stunden gedauert,
00:16:31: bis wir diesen 230er getextet hatten,
00:16:33: der hat mir alles erklärt, worauf ich achten muss.
00:16:36: So, das war mein erster Film.
00:16:38: Und der war Aufmacher in der Aktuellen Stunde.
00:16:40: Wow. - Wow, ja, ja.
00:16:42: Das habe ich auch nicht mehr oft geschafft.
00:16:45: Und das war mein Einstieg.
00:16:47: Und dann bin ich da, habe ich da vier Jahre bis zum Voluntariat,
00:16:51: gearbeitet als Fernsehreporterin.
00:16:53: Tolle Geschichte.
00:16:55: Das ist eine Erklärung für alle, die es nicht wissen.
00:16:58: Das bedeutet, zwei Minuten 30 ist der Beitrag lang.
00:17:01: Und das ist eine typische Länge für Hörfunkbeiträge
00:17:04: oder auch Fernsehbeiträge.
00:17:07: Verklasen, Sie sind Journalistin durch und durch seit langer Zeit.
00:17:11: Wollt mal gerne wissen, hätte ich gleich zu Anfang schon mal fragen können,
00:17:15: haben Sie eigentlich schon mal einen Podcast gemacht,
00:17:18: den Sie auch als Person dann gefühlt haben?
00:17:20: Oder ist das jetzt die Premiere hier?
00:17:22: Nee, ich habe noch keinen gemacht.
00:17:24: Aber weiter, stand heute, sind Sie ja seit, wenn ich richtig gerechnet habe,
00:17:28: seit deutlich über 20 Jahren als Journalistin oder Autorin unterwegs,
00:17:33: wenn man diese Zeit mal Revue passieren lässt.
00:17:36: Was waren Ihre, sagen wir mal, eine oder zwei prägendsten
00:17:40: oder erlebnisreichsten Geschichten?
00:17:42: Ich hatte einen Kameramann damals, die können sehr schwierig sein.
00:17:47: Und da wollte ich eine Talgeschichte drehen.
00:17:50: Und da ist man im Flusslauf gefolgt.
00:17:52: Und da waren wir in einem Tal, das ich sehr gut kenne.
00:17:55: Wir hatten schon einiges gedreht.
00:17:57: Und dann habe ich gesagt, also, Jungs, wir müssen diesen Berg da noch hoch.
00:18:02: Weil von da sieht man das ganze Tal und damit wollte ich abschließen.
00:18:05: Und dann sagten die beiden, nö.
00:18:07: Ich gesagt, nee, das geht jetzt nicht.
00:18:10: Also, wir müssen da hoch.
00:18:13: Nö.
00:18:14: Okay.
00:18:15: Dann gibt mir die Ausrüstung, ich trage die hoch.
00:18:18: Das ist schwer.
00:18:19: Also, ich hatte die Kamera, umhängen, die Tonausrüstung, die Angel.
00:18:24: Und dann noch dieses Stativ, das immer aufging,
00:18:27: weil es schon so ausgeleiert war.
00:18:29: Und dann bin ich den Berg hoch.
00:18:31: Und die beiden Ächsten hinter mir her.
00:18:34: Die waren nicht so in Form, die zwei.
00:18:36: Aber die haben sich schön das alles selber tragen lassen.
00:18:39: Ja.
00:18:40: Und dann waren wir oben.
00:18:42: Dann habe ich gefragt, soll ich euch das jetzt auch noch aufbauen?
00:18:46: Von dem Tag an hat dieser Kameramann alles für mich gemacht.
00:18:51: Und wir haben wunderschöne Filme zusammengemacht.
00:18:54: Und ich manchmal rufte an und sagte,
00:18:58: "Klasen, waren wir hier zusammen?
00:19:01: Wo bist du denn?"
00:19:03: Ja, hier und hier.
00:19:04: Ja, ja, da haben wir das und das mal.
00:19:06: Okay, tschüss.
00:19:07: Frau Klasen, wie ist das denn, wenn man fürs Fernsehen dreht,
00:19:11: gibt es ja klassisch so einen Dreigestil, sage ich mal.
00:19:14: Da gibt es die Autorin.
00:19:16: Die Kameramann, den Sie gerade erwähnt haben.
00:19:18: Und es gibt einen Tonmann.
00:19:20: Wer ist denn eigentlich der Chef am Set? Normalerweise.
00:19:23: Es ist so, finde ich, dass jeder von ...
00:19:26: jeder ist ja Fachmann seines Bereichs.
00:19:29: Ich bin die Journalistin.
00:19:31: Der Kameramann weiß, wie man eine gute Bildkomposition macht.
00:19:35: Der Tonmann hört Geräusche, nimmt die auf.
00:19:38: Also, ich hab mich nie als Chef empfunden, das muss ich sagen.
00:19:41: Also, ich hab immer versucht, das so zu machen,
00:19:44: dass alle sich wohlfühlen und dass jeder seinen Bestes gibt.
00:19:48: Aber oft hatte man auch Kameraleute, die wirklich gesagt haben,
00:19:52: "Ich hab schon alles gesehen."
00:19:54: Ich hab gesagt, ich weiß, ich auch.
00:19:56: Oder die sagen, das geht nicht.
00:19:59: Das geht nicht.
00:20:01: Dann hab ich immer gesagt, einfach kann jeder.
00:20:03: Und das hat die Männer immer angesprochen.
00:20:06: Wir hatten wenige Frauen. Dann haben die das auch gemacht.
00:20:09: Frau Klasen, ich bleib jetzt noch dran an dem Thema.
00:20:12: Sie haben so viel Erfahrung, so viele Menschen
00:20:14: durch ihre Arbeit, durch ihre journalistische Arbeit getroffen.
00:20:18: Gibt's Menschen oder auch noch mal Situationen,
00:20:22: an die sie sich heute noch gerne erinnern,
00:20:24: weil sie einfach außergewöhnlich waren?
00:20:27: Ja, da hab ich einen Film gemacht,
00:20:29: hier und heute Reportage, das alte Format "14 Minuten reine Reportage".
00:20:33: Und da habe ich zwei junge Männer begleitet,
00:20:36: die beide für die Polizei Hubschrauberpilot werden wollten.
00:20:41: Und da durften wir mitkommen.
00:20:43: Und da waren wir einmal in St. Augustin,
00:20:46: wo die eben stationiert sind.
00:20:48: Da durften wir miterleben,
00:20:50: wie dieser junge Mann seinen ersten Hubschrauberflug alleine gemacht hat.
00:20:55: Wir waren aber am Boden.
00:20:57: Das war sehr spannend.
00:20:59: Noch ein bisschen spannender war,
00:21:01: allerdings, wir durften auch dabei sein,
00:21:03: bei der Abschlussprüfung der jungen Piloten.
00:21:06: Und da sind wir nach Rosenheim gefahren.
00:21:08: Und die mussten sich beweisen am Watzmann.
00:21:12: Und ich hab gelernt, das Hubschrauber, und man hat es auch gespürt,
00:21:17: wenn man an die 2000 Meter kommt,
00:21:19: werden die ein bisschen nervös, diese kleinen Maschinchen.
00:21:22: Weil die brechen dann leicht aus.
00:21:24: Und da sind viele Abwände, hab ich auch gelernt.
00:21:27: Also wir mussten verteilt werden,
00:21:29: weil sonst der Hubschrauber, wenn da fünf Leute dringend,
00:21:32: der hätte zuerst seinen Sprit,
00:21:34: wäre zuerst der Sprit verbraucht gewesen.
00:21:36: Und dann hat mich ein junger Mann,
00:21:38: hat mir erklärt, wo ich mich hinsetzen kann,
00:21:41: wie ich mich anschnalle, wie dieser Kopfhörer funktioniert.
00:21:44: Und dann hat er gefragt, sind Sie schon mal Hubschrauber geflogen?
00:21:48: Dann hab ich gesagt, nee.
00:21:50: Und dann sagt er, den meisten wird schlecht dabei.
00:21:53: Hier haben Sie eine Kotztüte.
00:21:55: Und dann dachte ich mir, um Himmelzwellen.
00:21:57: Weil mit diesem Mikrofon über Ringleitung,
00:22:01: sobald man anspricht, also sobald man anfängt zu sprechen
00:22:04: oder sich übergeben muss, hört sich die ganze Belegschaft.
00:22:08: Und ich dachte so, das darf nicht passieren.
00:22:11: Das könnte unangenehm werden. - Das könnte sehr, sehr peinlich werden.
00:22:15: Dann sind vier, ist der Hubschrauber gestartet,
00:22:17: es ist ein irre Gefühl, sind Sie schon mal Hubschrauber geflogen?
00:22:21: Ich find, das vibriert wie 'nem Porsche.
00:22:23: So, die wollen ja was machen in diesem Maschinen.
00:22:26: Und dann ist er so rückwärts geflogen.
00:22:28: Und das war mir nicht klar, dass die rückwärts fliegen konnten.
00:22:32: Wir sind über die Alm von Rosemittermeier geflogen,
00:22:35: wo Baumstämme weg, also unter uns, wir waren sehr hoch,
00:22:38: weggetragen wurden von den Hubschraubern.
00:22:40: Dann sind wir über 'n Königssee geflogen.
00:22:43: Und dann sagte der Fluglehrer zu seinem Schüler,
00:22:47: nee, zu mir, Frau Klassen, können Sie sagen, Bartolomäus sehen.
00:22:51: Und ich so, nein, Willer, Anschregen!
00:22:55: Dann hat er den Hubschrauber so geneigt.
00:22:59: Und ich bin mit der Stirnfolge in das Fenster,
00:23:02: es war mir so peinlich, es tat nicht weh, aber es war mir sehr peinlich.
00:23:05: Und dann hab ich gesagt, ah, jetzt kann ich sehen!
00:23:08: Und es war sehr lustig, es war wirklich lustig.
00:23:11: Aber die Kotzflüte wurde nicht eingesetzt? - Nein.
00:23:14: Was man alles erlebt als Journalistin?
00:23:16: Viel, man kommt hinter die Kulissen, man kommt in Bereiche,
00:23:19: wo andere Menschen nicht hinkommen.
00:23:22: Und vor allem, ich wollte nie in die Politik,
00:23:25: weil da so viel gelogen wird,
00:23:26: und so viele Worthülsen durch die Luft fliegen,
00:23:29: die mich langweilen,
00:23:31: mich interessieren einfache Menschen.
00:23:34: Und einfach ist nicht despektierlich gemeint,
00:23:37: sondern Menschen aus dem Leben.
00:23:40: Lebensgeschichten.
00:23:41: Ab 2004 haben Sie auch immer wieder mal
00:23:48: eine Zeit in Russland verbracht, für die ARD.
00:23:52: Zum Beispiel auch in Moskau und in St. Petersburg.
00:23:56: Das waren damals politisch noch ganz andere Zeiten.
00:23:59: Was waren Ihre Themen damals in Russland?
00:24:01: Was haben Sie da gemacht?
00:24:03: Ich wollte ja Russland-Korrespondentin werden.
00:24:05: Und ich wollte in dieses Studio,
00:24:07: und bin diesem Studioleiter, Albrecht Reinhard,
00:24:10: war das damals, ich bin dem so auf die Nerven gegangen.
00:24:13: Aber ich dachte, das muss jetzt mal sein,
00:24:16: ich bin eigentlich ein sehr höflicher Mensch.
00:24:18: Aber ich will dahin.
00:24:20: Also, ich möchte für Sie arbeiten.
00:24:22: Das geht aber nicht, Sie sind freie Kollegin.
00:24:24: Das ist der Irrperngesagte.
00:24:27: Komm, sie halt. Gut, dann habe ich mir ein Visum besorgt für drei Monate.
00:24:31: Kamerthe Chesker, ja, das war ja nicht mehr dieses touristische,
00:24:34: sondern ein Geschäftsvisum, die ging drei Monate.
00:24:37: Das habe ich auch voll ausgereizt.
00:24:39: Wie haben Sie denn damals in Ihrer Zeit, sagen wir mal,
00:24:42: die einfachen Russen erlebt?
00:24:45: Ich sage das jetzt extra noch mal in Aninnung Ihrer eigenen Erzählung gerade.
00:24:48: Also die einfachen Menschen, die normalen Menschen in Russland.
00:24:51: Was haben Sie für ein Russlandbild?
00:24:54: Also ich habe die Menschen damals gefragt, warum macht ihr nichts gegen Putin?
00:24:58: Und dann haben die mir gesagt, Andrea, das tägliche Leben,
00:25:03: das ist so ein Überlebenskampf.
00:25:05: Wir müssen sehen, dass wir was zu essen bekommen, dass unsere Wohnung warm sind,
00:25:08: dass es unseren Kindern gut geht.
00:25:11: Man merkt, wie arm diese Leute sind.
00:25:16: Man kennt es durch die DDR.
00:25:18: Man kann Menschen ja zermürben mit so einem System.
00:25:20: Und das ist da ähnlich.
00:25:22: Es ist unheimlich schwierig, an Dinge zu kommen.
00:25:25: Und es heißt auch immer in Russland,
00:25:27: man kann überleben in einer Stadt wie Moskau mit damals über 12 Millionen Einwohnern,
00:25:32: wenn man jemanden kennt, der einen Garten hat.
00:25:34: Ich bin oft U-Bahn gefahren, also eigentlich immer U-Bahn.
00:25:37: Und die Männer, die sind oft besoffen.
00:25:40: Was muss man wirklich sagen?
00:25:41: Die sind nicht in so einem guten Zustand.
00:25:44: Und die hingen dann an diesen Griffen.
00:25:47: Und es sind eigentlich, das war mein Eindruck in Russland,
00:25:52: die Frauen, die das Leben am Laufen halten.
00:25:55: Das muss man einfach so sagen.
00:25:56: Die haben die Übersicht, die sind ganz, ganz starke Frauen.
00:26:01: Ich finde das sehr beeindruckend,
00:26:04: als Sie mir vorhin im Vorgespräch erzählt haben,
00:26:06: dass eben diese Frauen in Russland so eine Stärke zeigen.
00:26:11: Und dann haben sie auch erzählt, dass viele Frauen in Russland
00:26:15: auch als Bauarbeiter arbeiten.
00:26:16: Ja, also auf den Baustellen sind Frauen.
00:26:19: Und was auch ist, wie wir wissen, es schneit ja da sehr viel.
00:26:23: Und es friert auch.
00:26:24: Und es wird kein Salz gestreut.
00:26:26: Die streuen wenn Sand.
00:26:28: Und auf den Bürgersteigen sind aber immer solche,
00:26:31: solche, also wirklich 20 Zentimeter dicke Eisschichten,
00:26:35: weil es einfach wirklich kalt ist.
00:26:36: Also ich habe da bis, ich habe da minus 25 Grad erlebt.
00:26:39: Und da in Russland ist es so,
00:26:41: bei dieser Kälte geht man aus dem Haus und sofort gefriert
00:26:44: das Wasser in den Augen und in der Nase.
00:26:48: Das ist irre.
00:26:49: Flupp, man geht raus und alles, was an Wasser im Gesicht ist,
00:26:53: ist gefroren.
00:26:54: Diese Frauen und diese Frauen haben so Eisenstiebe in der Hand
00:26:59: und hacken den ganzen Tag auf den Bordstein das Eislose.
00:27:03: Ja, krass.
00:27:05: Ich will jetzt nicht so politisch werden hier in unserem Format,
00:27:08: aber eine Frage sei erlaubt,
00:27:10: kommen wir mal kurz nochmal zu Herrn Putin,
00:27:12: der natürlich auch in Deutschland in der ganzen Welt
00:27:16: jetzt eine Rolle spielt, das mal so auszudrücken.
00:27:20: Der hatte seine erste Amtszeit als Ministerpräsident,
00:27:22: also in einer tragenden Rolle in Russland 1999.
00:27:27: Da wurde dann noch von Herrn Jelzin, Borus Jelzin damals ernannt,
00:27:30: bevor er dann später zum Präsident geworden ist.
00:27:33: Was haben Sie damals von Putin mitbekommen,
00:27:36: vielleicht auch als Journalist ein bisschen mehr als wir hier?
00:27:39: Und wie sehen Sie ihn heute?
00:27:42: Also der Mann ist ja durchsetzt vom Geheimdienst.
00:27:46: Ich glaube, wenn man einmal durch diese Schule gegangen ist,
00:27:49: kann man nur mit großem Misstrauen auf die Welt, auf die Menschheit gucken.
00:27:52: Wir zeit' das solche Leute aussterben, würde ich mal sagen, wie er.
00:27:56: Aber tun sie ja nicht.
00:27:58: Es wachsen ja überall solche Pilze irgendwie aus dem Boden.
00:28:02: Und was mir aufgefallen ist damals,
00:28:05: das ist, dass da ein Menschenleben nicht viel zählt.
00:28:08: Als ich da war, war dieser Skandal in der Schule von Bislang,
00:28:14: den die Chichens, die hatten ja die Chichens überfallen.
00:28:17: Da waren ja auch Kinder im Spiel.
00:28:19: Und Putin hatte ja jetzt diesen Chichens, da den Krieg angesagt.
00:28:22: Er muss ja immer Krieg führen mit irgendjemandem.
00:28:24: Und damals herrschte höchste Alarmbereitschaft.
00:28:27: In den Hallen, in den Gängen der Metro, in Moskau standen,
00:28:31: stand die Miliz und mit denen ist nichts zu spaßen.
00:28:34: Die standen in Hand da.
00:28:36: Klingt jetzt romantisch, war aber, also die haben eine Menschenkette gebildet.
00:28:40: Und da musste man immer unter den Armen durchtauchen.
00:28:43: Und alle Leute, die dunkelhäutig waren, die chichenisch aussahen,
00:28:47: wurden brutals draus gefischt.
00:28:50: Das habe ich miterlebt.
00:28:51: Und die wurden an die Seite geschubst.
00:28:54: Den wurden die Taschen aufgerissen.
00:28:56: Das lag alles, das ist nicht dreckig in den U-Bahn,
00:28:59: die werden sehr gut geputzt.
00:29:00: Aber man selber möchte es nicht erleben,
00:29:03: dass eine Handtasche ausgekippt wird und die privaten Sachen darum.
00:29:06: Es ist denen egal.
00:29:07: Das ist, also, da zählt ein Menschenleben nicht viel.
00:29:12: Und von daher, ich finde es schade,
00:29:14: dass Putin den Russen die Zukunft genommen hat.
00:29:19: Weil es wird, glaube ich, Jahrzehnte dauern, bis man wieder sagen kann,
00:29:23: ich möchte gerne mal nach Russland.
00:29:26: Ich bin froh, dass ich es erlebt habe.
00:29:29: Die Russen, also diese russische Seele, von der alle sprechen, die gibt es.
00:29:33: Ich habe die Schimmern sehen.
00:29:36: Und ich habe ganz, ganz tolle Menschen da kennengelernt.
00:29:38: Vielen Dank für Ihren Einblick.
00:29:40: Sie haben auch eine längere Zeit in St. Petersburg
00:29:43: für eine Zeitung gearbeitet.
00:29:45: Und ich glaube, in dieser Zeit sind Sie zwischen Deutschland und Russland
00:29:48: regelmäßig mit dem Nachtzug gefahren.
00:29:51: Das war in der Zeit, als ich in Moskau fürs Fernsehen gearbeitet habe.
00:29:55: Da habe ich parallel noch bei der Zeitung in St. Petersburg gearbeitet.
00:29:59: Und da bin ich immer mit dem Nachtzug.
00:30:02: Krasnaya Strella, der rote Pfeil.
00:30:05: Und weil die Distanzen in Russland unendlich groß sind,
00:30:09: fahren die Züge um Mitternacht los.
00:30:11: Und das war sehr schön, das mit den Nachtzügen zu fahren,
00:30:14: weil man hatte ja seine Fahrkarte.
00:30:17: Und für jeden Wagen gab es eine Schaffnerin.
00:30:21: Die war ganz hübsch zurechtgemacht, sehr ordentlich, Frisur, Nagelack.
00:30:26: Und der hat man seine Fahrkarte gegeben.
00:30:29: Und dann kam die in so ein Buch, das man so doppelseitig aufgeklappt hat.
00:30:32: Dann hat die die reingesteckt und wusste genau,
00:30:34: jetzt sind meine Schäfchen alle bei Sam.
00:30:37: Ich kann an den Lokführer sagen, so, meine Leute sind da.
00:30:40: Es hört sich nach erster Klasse an.
00:30:42: Jetzt guckt mir gerade so der Gedanke.
00:30:44: Ist denn der rote Pfeil, ist das so eine Art Luxuszug?
00:30:48: Ist das ein Orient-Express, ein russischer?
00:30:50: Nein, es gibt immer drei Klassen.
00:30:52: Es gibt immer die drei Klassen-Gesellschaft.
00:30:56: Also, ich muss sagen, ich bin das erste Mal,
00:30:59: da wusste ich ja nicht, wie es dazu geht.
00:31:02: Da habe ich erste Klasse gebucht.
00:31:04: Ist aber für uns bezahlbar gewesen.
00:31:06: Das war jetzt nicht so überteutend.
00:31:08: Da kriegt man tatsächlich ein Frühstückspaket.
00:31:11: Das ist wie so ein Weihnachtspäckchen.
00:31:13: Und da ist so eine Lokomotive vorne drauf.
00:31:16: Und das klappt man auf.
00:31:18: Und dann ist da Brot drin für den nächsten Morgen.
00:31:21: Marmelade, eine Orange oder so.
00:31:24: Dann gibt es zweite Klasse.
00:31:25: Da schläft man zuviert, aber die trennen nicht zwischen Mann und Frau.
00:31:28: Also, ich habe wirklich mit einem fremden Mann da geschlafen.
00:31:31: Also, Sie haben sich für die zweite Klasse entschieden?
00:31:33: Erstens. Beim ersten Mal die erste.
00:31:35: Und dann wusste ich ja, okay, das ist wirklich sicher hier in Russland,
00:31:38: weil das sind Zugfahrer.
00:31:40: Und dann hatte ich gelernt, was man sagt,
00:31:43: wenn man sich für die Nacht umkleiden will.
00:31:45: Und dann habe ich diesen Satz gesagt.
00:31:47: Und dann ist er sofort raus.
00:31:49: Der ist, dann habe ich mich umgezogen.
00:31:50: Und dann ist er aber in dieser Bahn natürlich versackt.
00:31:53: Und kann mit dem Femd wieder...
00:31:55: Also, es ist wirklich sehr klischeehaft teilweise.
00:31:58: Dritte Klasse ist Holzklasse.
00:32:01: Da gibt es auch keine Trennwände mehr.
00:32:03: Das ist wie in so einer Dreifach-Tunhalle,
00:32:06: wenn irgendwo evakuiert wird und alle da auf Ihren Matten liegen.
00:32:09: Also, das waren wir dann doch zu heftig als Frau.
00:32:13: So, aber man kann gut Zug fahren.
00:32:15: Also, man erlebt auf jeden Fall einiges, wenn man in Russland unterwegs ist.
00:32:19: Das habe ich jetzt verstanden.
00:32:21: Ich könnte mir vorstellen, dass Sie in eine ganze Menge Sprachen sprechen.
00:32:25: Also, sprechen Sie zum Beispiel Russisch?
00:32:27: Ich habe damals, nach dem Studium, habe ich mir eine Russisch-Lehrerin gesucht.
00:32:32: Weil ich wollte erst Russisch studieren, russische Literatur.
00:32:35: Und dann fiel aber die Mauer.
00:32:37: Und da sagte meine Mutter Andrea, jetzt kommen die ganzen Ostdeutschen.
00:32:40: Die können alle ziemlich gut russisch.
00:32:41: Überleg dir was anderes.
00:32:43: Das sind unglaublich schwierige Sprache, glaube ich, für uns Deutsche zu erlernen, oder?
00:32:47: Die Russen haben halt sechs Fälle.
00:32:49: Das ist eine schwierige Sprache.
00:32:52: Weil ich glaube, da gibt es auch ziemlich viele unregelmäßige Verben.
00:32:56: Und diese richtigen Propositionen zur richtigen Endung zu finden, das ist heftig.
00:33:01: Wie viele Sprachen sprechen Sie denn aktuell?
00:33:03: Aktuell.
00:33:05: Spanisch, Französisch, Englisch.
00:33:08: Es sind also nicht so viele.
00:33:09: Damit kommt noch mal mehr als über die halbe Welt gut zurecht.
00:33:13: Ja.
00:33:14: Sehr schön.
00:33:15: Fiel ich mal toll, wenn man als Journalist vieles Sprachen spricht.
00:33:18: Weil bei mir ist das so, ich spreche Englisch.
00:33:21: Alles andere fällt mir eher ein bisschen schwer.
00:33:24: Das finde ich immer ganz schlimm, weil man sich kastriert fühlt.
00:33:26: Wenn man eben nicht so sprechen kann, wie man gerne möchte.
00:33:29: Ich würde mal interessieren, finden Sie die Wanderschönen-Themen für ein WDR selbst
00:33:37: oder kommen die von der Redaktion?
00:33:39: Nein, die finde ich alle selbst.
00:33:41: Und ich bin am liebsten in Naturschutzgebieten unterwegs mit Biologen.
00:33:46: Weil ich interessiere mich sehr dafür, für Naturschutz, für Natur, für Tiere, für Pflanzen.
00:33:51: Für das, was die da machen und was in der Natur so vor sich geht.
00:33:55: Und das mache ich am allerliebsten.
00:33:59: Gab es schon mal einen Wanderschönen-Format hier zum hohen Knochen?
00:34:03: Ja, wir haben hier einen Yoga-Wanderung gemacht.
00:34:07: Da war ein ähnliches Wetter wie heute.
00:34:08: Haben Sie hier auch gesessen?
00:34:10: Wir sind hinterher in die Wolke 7 geflüchtet, weil wir so durch Nest waren.
00:34:15: Wir sind nur 20 Minuten einmal um Pudding hier und waren bis auf die Haut nass.
00:34:19: Ist das denn jetzt mittlerweile für Sie persönlich so, dass Sie den Hörfunk lieber mögen als das Fernsehen?
00:34:25: Nein.
00:34:26: Man denkt ja immer so zurück.
00:34:28: An welchen Kreuzungen habe ich gestanden und wäre in die Richtung gegangen, was wäre dann passiert?
00:34:34: Ich habe damals das Fernsehen irgendwie ...
00:34:39: Ja, ich habe es auf, ich habe es verloren.
00:34:42: Und das runterleide ich immer noch.
00:34:46: Ich habe es verloren, weil ich da schon für den Hörfunk gearbeitet habe.
00:34:51: Mir das sehr gut gefallen hat.
00:34:53: Und dann bin ich zu einer Dame gegangen, die einen eigenen Reitkunstverlag hatte.
00:34:59: Und ich habe dann zehn Jahre für diese Frau gearbeitet und habe als Ghostwriterin Bücher geschrieben.
00:35:06: Und Hörfunk, Buch und Fernsehen, das hätte ich nicht unter einen Hut bekommen.
00:35:11: Aber finanziell wäre es klüger gewesen, Fernsehen weiterzumachen.
00:35:15: Das muss man sagen, da verdient man einfach das meiste Geld.
00:35:18: Aber diese Bücher, die ich geschrieben habe, die will ich nicht missen.
00:35:22: Ich war dreimal in Portugal.
00:35:25: Ich habe das Buch eines, darf man in Deutschland nicht so laut sagen,
00:35:29: eines Stierkampfreiters geschrieben.
00:35:31: Der Hauch von Ewigkeit.
00:35:33: Der geht es um Leben und Tod.
00:35:35: Das war toll.
00:35:36: Ich möchte diese Begegnung mit diesem Mann, Manuel George de Oliveira,
00:35:40: die möchte ich niemals missen.
00:35:42: Und auch nicht in seiner dunklen, schäbigen Reithalle gestanden zu haben,
00:35:47: wo die hohe Kunst des Reitens geritten wurde für den Stierkampf.
00:35:51: Das will ich nie missen.
00:35:53: Ich war in Texas, ich war im Bayerischen Wald.
00:35:55: Ich habe tolle Leute kennengelernt.
00:35:57: Die Stimme ist sowohl für den Hörfunk,
00:36:00: da vielleicht noch ein bisschen mehr als auch fürs Fernsehen total wichtig.
00:36:03: Mich würde mal interessieren, ist Ihre Stimme, wenn man sie hört,
00:36:06: ist die einfach so, wie sie ist im Klang und in der Tonalität
00:36:12: oder haben Sie sehr viel Sprechtraining bekommen,
00:36:14: damit sich das so annäht, wie sie es heute anhört?
00:36:16: Also es ist immer so, dass Leute sagen, du klingst im Radio, so wie du immer klingst.
00:36:20: Manche sagen aber auch, ich erkenne dich nicht im Radio.
00:36:24: Also ich verstelle meine Stimme nicht, wenn ich einspreche.
00:36:27: Das machen auch manche Kollegen.
00:36:29: Ja, die ist ausgebildet, die Stimme.
00:36:31: Wir hatten damals eine Schauspielerin, also das sind meist Schauspieler,
00:36:35: bei denen man das lernt, Inge Schönberg, die war sehr streng.
00:36:40: Und die hat immer gesagt, die hatte so Notenstände
00:36:43: und auch mal so ein Stift in der Hand.
00:36:45: Und wenn ich dann irgendwas nicht gut gelesen habe bei unserem Training,
00:36:50: dann hat sie immer gesagt, Andrea, bieten wir da doch mal was anderes an.
00:36:54: Du kannst das doch noch besser.
00:36:56: Die hat auch wirklich angerufen, wenn die uns im Radio gehört hat,
00:37:01: und hat gesagt, es hat mir gut gefallen, danke.
00:37:03: Oder aber, was war das, also diese Betonung da in diesem Einsatz,
00:37:08: bitte denkt doch da nochmal drüber nach.
00:37:11: Ist das so, dass es Tipps gab, wo Sie gemerkt haben,
00:37:15: ja, dadurch kann man wirklich, was die Art und Technik oder die Art und Weise,
00:37:19: die Stimme voluminöser klingen zu lassen oder wie auch immer,
00:37:22: die wirklich was bringen?
00:37:24: Also ich hinterfrage mich da auch immer und versuche immer,
00:37:27: auf einem hohen Niveau zu bleiben.
00:37:29: Und ich sage auch zu meinen Technikern, sagt mir, wenn ich langsamer werde,
00:37:32: manches will auch schneller eingesprochen werden.
00:37:35: Wenn man was über Freddie Mercury macht, dann kann man nicht so langsam sprechen.
00:37:40: Das geht nicht.
00:37:42: Das passt auch nicht zu Musik oder zu seiner Stimme.
00:37:45: Also man muss sich immer beobachten, dass man nicht schlechter wird.
00:37:48: Eigentlich sollte man regelmäßig auch noch Stunden nehmen, das habe ich auch gemacht.
00:37:51: Sie sind auch, das ist ja unglaublich, was Sie alles gemacht haben,
00:37:54: Sie sind auch Autorin beim Deutschlandfunk, und zwar beim sogenannten Kalenderblatt.
00:37:58: Da wird, ja, wie soll ich sagen, Geschichte zum Leben erweckt.
00:38:01: Sie haben mir auch wiederum in Vorgespräch gesagt,
00:38:04: als ich damit angefangen habe beim Deutschlandfunk,
00:38:06: mit diesem Kalenderblatt, da hat Hollywood angerufen.
00:38:08: Das müssen Sie mal noch mal ein bisschen erklären, bitte.
00:38:10: Man wünscht sich ja immer, dass man irgendwie gesehen wird
00:38:14: und dass die Menschheit erkennt, dass man eine ganz ordentliche Arbeit macht.
00:38:19: Und dann klingelte eines Tages, nein, es kam erst eine Mail.
00:38:23: Ja, hier ist der Deutschlandfunk.
00:38:26: Ich habe die Redaktion von Kalenderblatt neu übernommen.
00:38:29: Ich kenne ihre Zeitzeichen und möchte sie als Autorin gewinnen.
00:38:33: Rufen Sie mich doch mal an.
00:38:35: Gut, dann dachte ich so, wow, mich hat jemand gesehen.
00:38:39: Das ist großartig, weil ich bin oft so unsichtbar.
00:38:42: Und dann habe ich die Frau Dietrich, Monika Dietrich,
00:38:45: eine großartige Redakteurin, die habe ich angerufen.
00:38:48: Ja, und dann hat sie gesagt, können Sie das für uns machen?
00:38:51: Ich würde Sie gern regelmäßig einteilen.
00:38:53: Und ich hätte Sie gerne als Autorin, weil ich Ihre Machart mag und so weiter.
00:38:58: Und für Frau Dietrich arbeite ich natürlich nochmal.
00:39:02: Also das ist immer so, da ziehe ich mich auch ordentlich an,
00:39:05: wenn ich das schreibe.
00:39:07: Also das ist klar für die Zeitzeichen auch, da habe ich auch tolle Redakteure.
00:39:12: Redakteurinnen.
00:39:14: Aber wenn man so, wenn Hollywood plötzlich anruft und man denkt,
00:39:18: wow, mich hat jemand gehört, das ist aber schön.
00:39:22: Sie hatten gerade das Thema Ghost Writing schon mal angesprochen.
00:39:26: Für Bücher, was steckt dahinter, was machen Sie da?
00:39:29: Mein erster Auftrag war damals, fahr in den Bayerischen Wald,
00:39:34: nimm deinen Aufnahmeequipment mit und treff dich mit Jean-Claude Disly.
00:39:41: Das ist ein Schweizer, ein Emmentaler, wie er dann gesagt hat.
00:39:45: Das ist der Mann gewesen, der das Westernreiten nach Europa gebracht hat
00:39:49: und das erste Quarter Horse nach in die Schweiz hat das damals gebracht.
00:39:54: Das ist schon so, dass Sie da eine ganz große Leidenschaft und Passion
00:39:58: auch fürs Thema Reiten haben, ne?
00:40:00: Ja, ich bin Pferdemädchen.
00:40:02: Sind das denn nur Pferde oder sind Sie grundsätzlich auch eine Tierliebhaberin?
00:40:05: Ja, ich liebe Tiere. Nur Ratten mag ich nicht.
00:40:08: Das tut mir leid.
00:40:10: Also ich achte diese Tiere, weil das sind ja mit den Kellerasseln,
00:40:13: die die überleben würden, im Gegensatz zu uns zerbrechlichen Menschen.
00:40:16: Wenn wir das Thema Buch nochmal ganz kurz anfassen,
00:40:19: ist das so als Ghost Writerin haben Sie also also Vergangenheit,
00:40:22: ein, zwei Bücher geschrieben?
00:40:24: Ich habe insgesamt neun Bücher geschrieben.
00:40:26: Neun sogar? Was haben die denn für Auflagen gehabt und fast noch wichtiger?
00:40:30: Das ist doch ein Riesenaufwand, so ein Buch zu schreiben.
00:40:33: Das schreibt man natürlich nicht in zwei Tagen.
00:40:35: Nee, da braucht man ein bisschen länger. Aber ich hatte nie lange Zeit.
00:40:38: Ich habe einmal sogar drei gleichzeitig geschrieben,
00:40:40: weil die alle für die Equitana fertig werden mussten.
00:40:43: Das war ein bisschen stressig.
00:40:45: Also das heißt, wie lange haben Sie an den Büchern gesessen?
00:40:47: Von bis, wie viele Tage, wie viele Wochen?
00:40:49: Also der Hauch von Ewigkeit, das hat, glaube ich, 230 Seiten oder so.
00:40:56: Ich weiß es nicht mehr. Da habe ich sechs Wochen dran geschrieben.
00:40:59: Können Sie mal einmal beschreiben, was es da konkret in den Buch geht?
00:41:03: Also ich erzähle da die Lebensgeschichte von Manuel.
00:41:07: Da war er Mitte 50, als wir das Buch geschrieben haben, sein Werdegang.
00:41:12: Er ist einer der berühmtesten Stilkampfreiter Spanien,
00:41:15: Südfrankreichs und Portugals, ist in der Hall of Fame.
00:41:18: Es geht um den Tod, aber letztendlich ist es nicht so düster,
00:41:22: sondern im Stilkampf geht es darum, den Tod zu besiegen durch den Stil.
00:41:29: Zum Thema Tiere noch eine Sache. Sie hatten auch zwei Schildkröten.
00:41:37: Das haben Sie mir erzählt. Die sind vor zweieinhalb Jahren quasi wieder weggegangen,
00:41:42: nämlich zu ihrem Ursprungsort, ich glaube, nach Bayern oder zu den Süden.
00:41:46: Pupro ist Schlupfort.
00:41:49: Und der Grund war, fand ich auch sehr süß, weil Sie gesagt haben,
00:41:52: ich hatte zumindest am Nachmittag zu wenig Sonne in meinem Garten für die Schildkröten.
00:41:56: Ja, also die Schildkröten müssen Richtung Osten gucken morgens,
00:42:00: damit die in die Gänge kommen.
00:42:02: Und bei mir sind sehr hohe Bäume im Garten.
00:42:05: Ja, also die Schildkröten brauchen natürlich den vollen Lauf der Sonne,
00:42:10: damit mit die Anfangen rumzukrabbeln.
00:42:13: Und das war bei mir nicht.
00:42:15: Und dann habe ich mich schweren Herzens getrennt und habe sie aber in gute Hände gebracht.
00:42:20: Und dann eben fast wieder an ihren Schlupfort.
00:42:23: Die Frau Werner vom Bergkotel hat auch zwei Schildkröten.
00:42:28: Die kann man sogar in Übergang von dem alten zum neuen Gebäude oder hinteren zum neuen Gebäude bewundern.
00:42:34: Ich weiß gar nicht, wo die jetzt im Winter sind.
00:42:37: Die dürfen wahrscheinlich dann nicht mehr draußen sein, oder?
00:42:40: Die hat Südamerikanische. Ich glaube, Rotwang oder Gelbwang hat sie.
00:42:44: Das sind Wasserschildkröten.
00:42:46: Und die buddeln sich, glaube ich, da ein.
00:42:49: Also die halten Winterschlaf.
00:42:51: "Hibernation" heißt das.
00:42:53: Interessant.
00:42:54: Das ist sehr kompliziert.
00:42:56: Die Kinder haben die nämlich vermisst, aber ich konnte das nicht erklären, Miss Lau.
00:42:59: Ja, die machen Winter. Also Winterschlaf ist es ja nicht.
00:43:02: Es ist eine Hibernation.
00:43:04: So nennt man das.
00:43:09: Frau Glassen, jetzt sind Sie ja ne Medienexpertin auch.
00:43:12: Ich würde mal gerne wissen, wenn Sie jetzt mal in die Glaskugel schauen,
00:43:15: so für die nächsten Jahre. Wie wird sich die Medienlandschaft verändern?
00:43:18: Gibt es da was, was Sie sehen, was Sie vermuten?
00:43:21: Ich befüchte das Schlimmste.
00:43:24: Muss ich ehrlich so sagen.
00:43:26: Dreisatz soll ja wahrscheinlich in Arte aufgehen.
00:43:29: Und ich finde es schade, dass die Senderanstalten nicht mutiger sind.
00:43:33: Und sagen, wir sind die Öffentlich-Rechtlichen.
00:43:36: Wir können ein anderes Programm machen.
00:43:38: Man spricht ja immer von diesem berühmten "Wir müssen die Zuschauer und Zuhörer abholen".
00:43:42: Nein, ich finde, man muss die auch manchmal in seine Welt holen.
00:43:46: Und man kann ja nicht immer nur Filterblasen füttern.
00:43:49: Sondern ich höre Radio oder schaue selten Fernsehen.
00:43:53: Und wenn gutes Fernsehen um was zu lernen.
00:43:57: Was ist denn Ihr ganz persönlicher Tipp, wenn man jetzt, wie wir das getan haben,
00:44:02: viele Behörfungen oder Fernsehens spricht, was schauen Sie denn gerne?
00:44:06: Also wo man positiv sagen kann, das sind Formate, das sind Sendungen,
00:44:10: die Sie sich gerne anschauen, die Sie vielleicht sogar empfehlen können, weil sie nicht jeder kennt.
00:44:14: Ich mag das Kino der 60er und 70er Jahre in Frankreich sehr gerne.
00:44:18: Catherine de Neuf, Alain de Longein, Moro, Coromille Schneider, die ganzen großen Namen.
00:44:24: Das ist einfach schön.
00:44:26: Was ich gucke.
00:44:29: Sie haben eine große Leidenschaft für Frankreich auch.
00:44:33: Das kam in den Vorgesprächen auch raus.
00:44:36: Woher kommt das und was macht das aus?
00:44:39: Ich finde das gut, dass die Franzosen verbollte Autos fahren und dafür lieber gut essen gehen.
00:44:45: Das ist ja in Deutschland das Gegenteil der Fall.
00:44:48: Und das nervt mich.
00:44:50: Und wenn ich in Frankreich bin, fotografiere ich als erstes die zerbolten Autos und freue mich.
00:44:55: Und kaufe mir einen Eclair oder einen Père au chocolat, irgendwas Schönes.
00:44:59: Ich habe die Franzosen ein bisschen kennenlernen dürfen.
00:45:02: Ich bin nach dem Abitur für drei Monate.
00:45:04: Ich wollte eigentlich ein Jahr bleiben.
00:45:06: Ich bin natürlich auf einen Pferdehof gefahren und habe da gearbeitet.
00:45:10: Die haben mich aufgenommen und ich durfte mit denen die Sonntage verbringen, wo den ganzen Tag gegessen wird.
00:45:16: Und wenn es dann anfängt zu regnen, trägt man den langen Tisch einfach in die Garage.
00:45:20: Das verbollte Auto kommt raus und man ist in der Garage weiter und hat den ganzen Tag Spaß.
00:45:24: Und futtert und trinkt und alles ist es wunderbar.
00:45:28: Und da sind mir die Franzosen doch sehr ins Herz gewachsen, weil die mich auch so verstanden haben, so aufgenommen haben.
00:45:35: Ich habe den Eindruck, wenn man sie jetzt so kennenlernt, also seit einer guten Stunde,
00:45:39: sie sind ein unglaublich emotionaler empfindsamer Mensch.
00:45:43: Steht das nicht zum krassen Kontrast zum Leben, wie es im Moment so oftmals stattfindet?
00:45:47: Ja, deswegen ziehe ich mich ja gerne an Orte zurück, die höher liegen als Steinbock.
00:45:55: Und ich wohne auch allein. Mein Freund hat eine eigene Wohnung.
00:45:58: Wir würden vielleicht später, wenn wir so 80 sind und beide so ein bisschen Hilfe brauchen,
00:46:04: dann ziehen wir vielleicht zusammen. Ich weiß es nicht.
00:46:07: Also ich muss mich oft zurückziehen und das ist halt das.
00:46:11: Dafür habe ich die Lady und die Natur.
00:46:14: In der Natur finde ich die Zyklen, den Mond, die Jahreszeiten.
00:46:19: Ich weiß, dass alles weitergeht, wenn ich in der Natur bin.
00:46:23: Auch dieses komische Leben, das wir gerade leben müssen.
00:46:26: Der Hocknochen und der Schnee, vielleicht nochmal ganz kurz als Stichwort.
00:46:33: Das ist ja eine ganz eigene Faszination, wenn hier der Schnee fällt oder wenn der Schnee liegt,
00:46:37: oder am besten beides, haben Sie öfter auch erlebt schon, ne?
00:46:41: Ja, vor allem hier, weil wir sehr hoch sind, fast 700 Meter über Normal Null, über den Meeresspiegel.
00:46:48: Es ist sehr besonders, hier schneit es halt schneller als da unten in Westfeld, kann man ja schon sagen, oder im Ruhrgebiet.
00:46:56: Und ich finde es immer sehr schön, wenn es beginnt zu schneien, es ist meist im Januar, nicht an Weihnachten leider,
00:47:04: dann wird die Welt so still. Also wenn man so kniescht, der Schnee, und es ist alles so still.
00:47:12: Und dann spüre ich so einen Frieden, der für mich in der Natur wohnt.
00:47:18: Und deswegen ist das für mich auch ein Ort, den Natur, wo ich diesen Frieden, also diesen Grundfrieden finde,
00:47:25: auch wenn alles um uns rum gerade zersplittert.
00:47:28: Hier ist ja eigentlich schon so eine große, tolle, hohe Stimmung, wenn dann noch Schnee liegt,
00:47:34: fürs Auge, aber auch in dieser zusätzlich gedämpften Stimmung. Also dann gibt es eigentlich nicht mehr.
00:47:40: Nee, das ist dann magisch hier oben, das muss man sagen. Also da muss man auch schleunigst raus, auch im Bademantel,
00:47:46: und ja, das auf sich wirken lassen.
00:47:50: Und einfach auch diese Langsamkeit, mit der der Schnee auch oft fällt, das genießen, weil das entschleunigt so.
00:47:59: Und das ist ja der Ruheberg hier. Und wenn man den im Schnee, also Januar, Februar sind hier die Schneem Monate,
00:48:06: dann kann man das erleben.
00:48:08: Jetzt haben wir ja heute ein bisschen umgemodelt und haben improvisiert.
00:48:12: Statt durch die Natur zu laufen, haben wir uns in die Natur gesetzt, hier in Wolke 7.
00:48:17: Dann würde ich sagen, drücken wir mal auf den Stoppknopf und gehen mal über zum gemütlichen Teil,
00:48:23: Kuchen und Tee bei Ihnen, glaube ich, und machen uns uns auch ein bisschen gemütlich.
00:48:28: Sehr gerne.
00:48:29: Super. Vielen Dank fürs Gespräch.
00:48:31: Ich danke Ihnen.
00:48:32: [Musik]
00:48:41: Das war der Podcast Walk and Talk. Begegnungen am Berghotel Hoher Knochen.
00:48:47: Vielen Dank für's Zuhören und bis bald zu einer erholsamen Auszeit bei uns im schönen Sauerland.
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